In der Karwoche lässt es sich in Spanien kaum vermeiden, dass man in den sozialen Medien merkwürdig martialisch marschierende Männer in hellgrünen Uniformen sieht: La Legión.
Das hat mich so fasziniert, dass ich ein wenig über diese Truppe recherchiert habe.
La Legión: Spaniens legendäre Eliteeinheit zwischen Mythos und Moderne
Wenn man an die spanische Armee denkt, schießen einem oft Bilder von Paraden im Stechschritt und stolzen Traditionen in den Kopf. Doch keine Einheit verkörpert den Geist Spaniens so radikal wie La Legión. Bekannt für ihr wahnsinniges Marschtempo, ihre markanten Uniformen und ihren fast mystischen Umgang mit dem Tod, ist die Legion weit mehr als nur eine Infanterieeinheit – sie ist ein Phänomen.
1. Ein düsterer Ursprung: “¡Viva la Muerte!”
Gegründet wurde die Legion 1920 von José Millán-Astray nach dem Vorbild der französischen Fremdenlegion. Ihr ursprünglicher Zweck war der Einsatz in den blutigen Rif-Kriegen in Marokko.
Was die Legion von Anfang an unterschied, war ihr Ethos. Millán-Astray prägte den berüchtigten Ruf “¡Viva la Muerte!” (Es lebe der Tod!). Das klingt makaber, sollte aber die absolute Furchtlosigkeit der Soldaten ausdrücken. Die Legionäre sehen sich selbst als „Bräutigame des Todes“ (Novios de la Muerte).2. Was macht die Legion so besonders?
Wer die Legion einmal bei einer Parade gesehen hat, vergisst das nicht so schnell. Hier sind die markantesten Merkmale:
- Der “Pasodoble”-Schritt: Während normale Armeen mit etwa 90 bis 120 Schritten pro Minute marschieren, jagt die Legion mit 160 bis 190 Schritten pro Minute über den Asphalt. Es wirkt fast wie ein kontrollierter Laufschritt.
- Die Uniform: Die offenen Hemden (ein Symbol für die Freiheit der Brust) und die charakteristischen Gorrillo-Mützen mit roter Quaste sind ikonisch.
- Das Maskottchen: Ja, die Legion hat ein offizielles Maskottchen, das bei Paraden oft mitmarschiert – meist ist es ein Ziegenbock, der passend zum Anlass geschmückt wird.
- Der “Cristo de la Buena Muerte”: Besonders berühmt ist die Prozession in Málaga während der Karwoche (Semana Santa), wenn die Legionäre den “Christus des guten Todes” unter feierlichem Gesang durch die Straßen tragen.
3. Ehrenkodex: Der Credo Legionario
Die Legion basiert auf einem strengen Ehrenkodex, dem Credo Legionario. Es besteht aus 12 Maximen, die Gehorsam, Kameradschaft und Opferbereitschaft bis zum Äußersten fordern. Ein zentraler Punkt ist der „Geist des Zusammenhalts“: Ein Legionär lässt niemals einen Kameraden zurück, egal unter welchen Umständen.
4. Vom Bürgerkrieg zum modernen Friedenseinsatz
Die Geschichte der Legion hat auch dunkle Kapitel. Während des Spanischen Bürgerkriegs war sie eine der tragenden Säulen der Truppen von General Franco. Diese historische Last begleitete die Einheit lange.
Doch heute hat sich das Bild gewandelt. Die moderne Legion ist eine hochprofessionelle Eliteeinheit der NATO. Sie war in zahlreichen internationalen Missionen im Einsatz, darunter:
- Bosnien und Herzegowina
- Irak
- Afghanistan
- Mali
Dort werden sie für ihre Zähigkeit, ihre schnelle Einsatzbereitschaft und ihre Fähigkeit geschätzt, in extrem schwierigem Terrain zu operieren.Fazit: Mehr als nur Show
Die spanische Legion ist ein lebendiges Paradoxon. Sie pflegt Traditionen, die über 100 Jahre alt sind und auf Außenstehende manchmal archaisch wirken, ist aber gleichzeitig eine der schlagkräftigsten und modernsten Einheiten des spanischen Militärs.
Ob man den Kult um den Tod nun befremdlich findet oder die Disziplin bewundert – fest steht: La Legión lässt niemanden kalt.