Die heutige Etappe führte uns mit dem Wohnmobil von Limoges 1️⃣7️⃣ in Richtung Norden über Orléans 1️⃣8️⃣ bis nach Toury 1️⃣9️⃣ – eine Fahrt, die landschaftlich wieder einmal gezeigt hat, wie abwechslungsreich trotz gelegentlicher Regenschauer Frankreich sein kann.

Am Morgen verabschiedeten wir uns von Limoges, der Stadt des berühmten Porzellans. Noch lagen die Straßen ruhig da, während wir langsam die letzten Kreisverkehre hinter uns ließen und Kurs auf die Autobahn nahmen. Schon kurz hinter der Stadt wechselte das Bild: sanfte Hügel, dichte Wälder und weite grüne Wiesen bestimmten die Landschaft des Limousin.
Unterwegs begleiteten uns immer wieder kleine französische Dörfer mit ihren alten Natursteinhäusern, Kirchen und blumengeschmückten Ortsdurchfahrten. Je weiter wir nach Norden kamen, desto flacher wurde die Landschaft. Die hügeligen Regionen gingen langsam in die offenen Felder und weiten Agrarflächen der Region Centre-Val de Loire über.
Die Fahrt war trotz des Regens insgesamt angenehm und entspannt. Frankreich zeigt sich auf solchen Etappen oft von seiner ruhigen Seite: endlose Alleen, gepflegte Rastplätze und immer wieder beeindruckende Ausblicke auf die ländliche Umgebung machen auch längere Strecken angenehm.
Am Nachmittag sind wir im leicht regnerischen Orléans angekommen und haben uns frech auf den völlig leeren Tourist Bus Parkplatz gestellt. Nachdem wir uns etwas wärmer und wasserdicht angezogen haben, ging’s es mit Schirmen bewaffnet zur kurzen Stadterkundung.

Nach einem kleinen Aufmarsch einer schottischen Dudelsack Gruppe (?) war die Besichtigung der beeindruckenden Kathedrale Sainte‑Croix von Orléans angesagt.




Das ist eine monumentale gotische Kathedrale aus dem 13.–19. Jahrhundert, berühmt für ihre flamboyante Fassade, die hohen Türme und die farbigen Glasfenster, die u. a. Szenen aus dem Leben Jeanne d’Arcs zeigen. Sie gilt als Wahrzeichen der Stadt und wurde 1829 nach jahrhundertelangem Wiederaufbau feierlich eingeweiht.








Orléans ist zurzeit wegen der traditionellen Jeanne-d’Arc-Feierlichkeiten festlich mit Fahnen und Bannern geschmückt. Dabei erinnert die Stadt an die Befreiung von Orléans durch Jeanne d’Arc im Jahr 1429 während des Hundertjährigen Krieges.




Die sogenannten „Fêtes de Jeanne d’Arc“ gehören zu den ältesten historischen Festen Frankreichs und finden dieses Jahr vom 29. April bis 10. Mai statt. Besonders rund um den 7. und 8. Mai gibt es Umzüge, mittelalterliche Märkte, Militär- und Kirchenzeremonien sowie viele historische Darstellungen.
Deshalb hängen momentan überall:
- mittelalterliche Banner,
- französische Fahnen,
- Stadt- und Wappenflaggen,
- und oft auch Fahnen mit den Symbolen von Jeanne d’Arc.
Rund um die Kathedrale Sainte-Croix d’Orléans und die Altstadt ist die Dekoration besonders beeindruckend. Viele Straßen bleiben sogar noch bis in den Sommer hinein beflaggt.
Ohne eine kleine Stärkung ist für uns selbst eine kleine Stadterkundung nicht machbar. In einem gemütlichen Café gegenüber der Kathedrale haben ich mir zu meinem Kaffee einen Crêpe mit Salzkaramell und Marion sich einen Irish Coffee gegönnt.


Jeanne d’Arc, im Deutschen meist „Johanna von Orléans“ genannt, wurde um 1412 in Domrémy in Frankreich geboren. Während des Hundertjähriger Krieg behauptete sie, göttliche Stimmen hätten ihr den Auftrag gegeben, Frankreich zu retten und den Dauphin Karl zum König zu führen.




Mit nur etwa 17 Jahren überzeugte sie den späteren König Karl VII., ihr ein Heer anzuvertrauen. 1429 spielte sie eine entscheidende Rolle bei der Befreiung von Orléans von der englischen Belagerung. Dieser Erfolg machte sie schnell zur Symbolfigur des französischen Widerstands.
1430 wurde Jeanne von burgundischen Truppen gefangen genommen und an die Engländer ausgeliefert. In einem kirchlichen Prozess wurde sie wegen Ketzerei verurteilt und 1431 im Alter von nur 19 Jahren in Rouen verbrannt.
Viele Jahre später wurde das Urteil aufgehoben. 1920 sprach die katholische Kirche Jeanne d’Arc heilig. Heute gilt sie als eine der wichtigsten Nationalheldinnen Frankreichs und als Symbol für Mut, Glauben und Freiheit.
Orléans hat einen so tollen Eindruck auf uns gemacht, dass wir bestimmt (hoffentlich bei etwas besserem Wetter) wiederkommen.








Gegen Abend erreichten wir schließlich Toury – ein kleiner Ort, der vor allem durch seine praktische Lage südlich von Paris interessant ist. Für Wohnmobilreisende ist Toury ein idealer Zwischenstopp mit einem Camping Car Park auf dem Weg Richtung Norden oder zurück nach Deutschland.
Nach den vielen Eindrücken des Tages ließen wir den Abend ruhig ausklingen und genossen die entspannte Atmosphäre nach einer erneut abwechslungsreichen Reiseetappe durch Frankreich.