Da das nächste Vendée Globe erst 2028 stattfindet, werde ich dieses Jahr die Route du Rhum beobachten.



Das ist eines der berühmtesten und legendärsten Einhand-Transatlantik-Rennen der Welt, das dieses Jahr am Sonntag, 1. November 2026 um 13:02 Uhr gestartet wurde.
Es findet alle vier Jahre im Spätherbst statt und führt die Solo-Segler über eine Distanz von ca. 3.500 Seemeilen (rund 6.500 Kilometer) von Saint-Malo in der Bretagne nach Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe in der Karibik.
- Das Konzept: Das 1978 von Michel Ecalard ins Leben gerufene Rennen ist einzigartig, weil es Profis auf High-Tech-Rennboliden und ambitionierte Amateure gemeinsam auf dieselbe Strecke schickt.
- Die Bootklassen: Das Feld ist in verschiedene Mehr- und Einrumpfklassen unterteilt:
- Ultim 32/23: Die riesigen, fliegenden High-Tech-Trimarane (Königsklasse).
- IMOCA: Die 60-Fuss-Monohulls (bekannt auch von der Vendée Globe).
- Ocean Fifty: Schnelle, 50-Fuss-Trimarane.
- Class40: Die populäre und stark besetzte 40-Fuss-Einrumpfklasse.
- Rhum Multi / Rhum Mono: Vintage- und Amateurklassen für klassische Rennyachten und Fahrtensegler.
- Der Rekord: Den aktuellen Streckenrekord hält der Franzose Charles Caudrelier. Er gewann die Ausgabe 2022 auf seinem Maxi-Trimaran Maxi Edmond de Rothschild in sagenhaften 6 Tagen, 19 Stunden, 47 Minuten und 25 Sekunden.
Der Streckenverlauf der Route du Rhum über theoretisch 3.542 Seemeilen (ca. 6.560 km) gliedert sich in vier Abschnitte:
- Start & Ärmelkanal: Start vor Saint-Malo, Passieren der Pflichtmarke am Kap Fréhel. Starke Strömungen, harter Schiffsverkehr und oft Herbststürme.
- Golf von Biscaya: Überquerung Richtung Kap Finisterre (Spanien). Hier treffen meist die ersten schweren Atlantiktiefs auf die Flotte.
- Atlantik-Passage: Strategische Entscheidung ab den Azoren:
- Nordroute: Kürzer, aber stürmisch und extrem rau.
- Südroute: Länger, aber mit stabilen Passatwinden (Alizés) von hinten.
- Finale Guadeloupe: Pflicht-Umrundung von Guadeloupe im Uhrzeigersinn. Tückisch: Im Windschatten des Vulkans La Soufrière drohen Flauten direkt vor dem Ziel in Pointe-à-Pitre.
Bei der Route du Rhum 2026 gehen insgesamt 115 Solosegler (aus 11 Nationen) in 6 verschiedenen Bootsklassen an den Start.
Prominente Namen & Favoriten
- Ultim: Titelverteidiger Charles Caudrelier (Gitana 18) trifft auf Top-Gegner wie Armel Le Cléac’h (Banque Populaire XI), Tom Laperche (SVR-Lazartigue) und Thomas Coville (Sodebo Ultim 3). Erstmals ist mit Alexia Barrier auch eine Frau in der Ultim-Klasse vertreten.
- IMOCA: Boris Herrmann bestreitet sein erstes großes Solorennen auf der neuen Malizia 4. Zu den Favoriten gehören Sam Goodchild (Macif), Jérémie Beyou (Charal) und Ambrogio Beccaria.
- Vintage: Veteranen wie Francis Joyon (Sieger 2018) und Jean Le Cam setzen auf Erfahrung in den Klassiker-Kategorien.
Tagesbericht: Route du Rhum 2026 (3. November 2026)
Stand nach knapp 48 Stunden auf See
Das Einhand-Transatlantikrennen hat die erste Vollphase auf dem Weg hinaus auf den Atlantik erreicht. Nach dem Start in Saint-Malo am Sonntagmittag befindet sich die Flotte nun im offenen Seegebiet, wo die taktischen Weichen für die nächste Wetterphase gestellt werden.
Feld und Spitzenpositionen (Live-Tracker-Stand)
- Ultime-Klasse (Die großen Giganten): An der Spitze des Gesamtfeldes liefern sich die High-Tech-Trimarane ein extrem enges Kopf-an-Kopf-Rennen.
- Tom Laperche (SVR-Lazartigue) hat sich knapp an die Spitze gearbeitet.
- Dicht dahinter folgen Armel Le Cléac’h (Maxi Banque Populaire XI) auf Rang 2, Anthony Marchand (Actual Ultim 4) auf Platz 3 und Titelverteidiger Charles Caudrelier (Maxi Edmond de Rothschild / Gitana 18) auf dem 4. Platz. Die Abstände an der Spitze betragen oft nur wenige Seemeilen.
- Ocean Fifty: In dieser Klasse führt das Feld eine enge Gruppe an, in der unter anderem Boote wie Viabilis Oceans (Baptiste Hulin) und Upwind By Merconcept (Anne-Claire Le Berre) das Tempo mit Geschwindigkeiten von über 20 Knoten bestimmen.
- IMOCA-Klasse: Die Einrumpfboote sind ebenfalls voll im Rennen. Boris Herrmann hält sich mit der Malizia 4 im starken Feld der IMOCAs gut im vorderen Mittelfeld, während die Konkurrenz um Top-Skipper wie Jérémie Beyou (Charal) und weitere Favoriten hart um jede Meile kämpft.
Ausblick
Die Bedingungen verlangen den Skippern alles ab, da die Übergabe von den Küstengewässern in die atlantischen Wetterzonen navigatorisches Geschick erfordert. Das gesamte Feld zieht sich nun weiter auseinander, während die Ultime-Trimarane auf Rekordkurs bleiben, sofern ihnen das Wetter keinen Strich durch die Rechnung macht.