Tag 68: Vancouver gespalten

Nach all den Tagen in der “Wilderness” in Kanada und Alaska war es schon ein kleiner Kulturschock in so eine große Stadt zu kommen.

Vancouver hat im Großraum immerhin über 2,6 Millionen Einwohner.

Das ist schon ein Unterschied zu 300 Km Highway zur nächsten Tankstelle mit Motel, von der aus es wieder 300 Kilometer ohne eine Menschenseele sind.

Bei herrlichem Sommerwetter (über 30°) haben wir die Tour am Canada Place begonnen. Dort sind wir auf eine alte Bekannte gestoßen: die Grand Princess, der wir schon ein paar mal begegnet sind lag dort.

Aber nicht nur dieser Riesenpott war dort zu bewundern, sonder zwei weitere Kreuzfahrtschiffe lagen dort am Kai.

Da kann man sich schon vorstellen, wie die Tausende von Passagieren die Gegend um die Landungsstelle “geflutet” haben.

Uns haben die zahlreichen startenden und landenden Wasserflugzeuge gut gefallen und auch an der Hubschrauber Landefläche im Wasser war ordentlich Betrieb.

Wir haben uns dann, den Empfehlungen des Reiseführers folgend in den lebhaften Stadtteil Gastown aufgemacht.

Der ist bekannt für seine pfeifende Dampfuhr sowie eine Mischung aus Souvenirläden, unabhängigen Kunstgalerien und Einrichtungsgeschäften in viktorianischen Gebäuden.

Der Bummel durch diese Gegend hat uns ganz gut gefallen und schon haben wir unser nächstes Ziel ins Auge gefasst.

Die Blocks zwischen Gastown und Chinatown haben uns aus der heilen, kanadischen Welt gerissen. Hunderte völlig verwahrloster Drogensüchtiger, die entweder apathisch in ihrem Dreck saßen, in aller Öffentlichkeit ihren Tauschgeschäften nachgingen (Armbanduhr gegen Drogen) oder sich in ihre aus allen möglichen Materialien auf dem Gehweg zusammengebauten Unterkünften verkrochen haben. Ein einziges Elend!

Der Reiseführer Autor muss hier wohl das chinesische Viertel einer anderen Stadt besucht haben: “Chinatown ist bekannt für eine lebhafte Gastronomieszene aus traditionellen asiatischen Bäckereien, Dim-Sum-Restaurants und hippen Cocktailbars. In den Regalen traditioneller Apotheken stehen Gefäße mit Ginseng und getrocknetem Fisch. Chinesische Lebensmittelgeschäfte mit lebenden Meeresfrüchten und exotischem Gemüse liegen gleich neben unabhängigen Modegeschäften.”

Wenn die Läden und Geschäfte nicht geschlossen waren, dann waren sie schäbig. Eine Folge der drogensüchtigen Nachbarn?

Nach einem kurzen Rundgang haben wir uns dann auf den Rückweg gemacht.

Ein relativ großes Polizeiaufgebot hatte die am dichtesten “bevölkerten” Straßen abgeriegelt und hat einzelne Gestalten hilflos wirkend kontrolliert. Hilfsorganisationen haben Wasser und Lebensmittel verteilt.

Wir wurden nicht belästigt, hatten aber von unserem heutigen Ausflug genug.

Bei einem Bier haben wir uns über das Erlebte ausgetauscht und im Gespräch mit einem Kanadier pakistanischer Herkunft hat dieser ebenfalls seiner Hilflosigkeit dieser Situation Ausdruck verliehen.

Aus dem ganzen Land seien in den letzten Jahren Drogensüchtige und Obdachlose in das relativ milde Klima gekommen und die Stadt hat bisher kein Konzept zur Lösung dieses Problems gefunden.

Touristen versuche man von dieser Gegend aus Imagegründen fernzuhalten, was in unserem Fall nicht gelungen ist. Wir wissen schon, dass auch solche Dinge zum Reisen gehören, aber darauf waren wir nicht vorbereitet.

Zur Ablenkung sind wir noch auf den ca 120m hohen Lookout gefahren und haben die Aussicht genossen. Von oben sieht die Welt ja meist besser aus.

Früher als geplant sind wir zum Reisemobil zurück.


Von den schönen Seiten der Stadt gibt es auch ein kleines Filmchen


Folge unserer Reise „Ein Jahr im Reisemobil durch Nordamerika 🇨🇦🇺🇸🇲🇽“ auf Polarsteps

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