Tag 72: Besonderheiten in Kanada – Cannabis und Campgrounds

Da wir heute einen gemütlichen Sonntag verbringen (ein paar Kleinigkeiten am Auto müssen trotzdem “nachgeputzt” werden) , haben wir Zeit für Fortschreibung des Grobplans, denn unsere Kanada Etappe neigt sich für dieses Jahr dem Ende zu.

Da blieb noch etwas Zeit für einige Recherchen.

Schon seit Beginn unseres Kanada Aufenthalts sind uns die zahlreichen kleinen und großen Shops am Straßenrand aufgefallen, die teilweise mit Neonreklame auf ihr Produkt hinweisen: “Cannabis“.

Selbstverständlich steht es uns als Gäste eines Landes nicht zu, die Gesetzte und Gepflogenheiten des Gastgeberlandes zu kritisieren.

Der Besitz, Erwerb und Konsum von Cannabis ist in Kanada für Personen ab 19 Jahren eine legale Handlung, sofern die außerhalb der eigenen Wohnung mitgeführte Menge 30 Gramm nicht übersteigt. Der Handel erfolgt über staatlich lizenzierte Abgabestellen.

Bei der Kanadischen Unterhauswahl 2015 war die Legalisierung von Cannabis als Rauschmittel ein zentrales Wahlversprechen von Justin Trudeau. Nach seinem Wahlsieg initiierte er ein Gesetz, das den Anbau, Verkauf und Konsum von Cannabis legalisieren sollte. Das Gesetz trat am 17. Oktober 2018 in Kraft. 

Cannabis darf in der Regel überall dort konsumiert werden, wo auch das Rauchen von Tabakwaren erlaubt ist. Öffentliche Gebäude, Züge, Busse oder Spielplätze sind damit tabu.

Der Eigenanbau von Marihuana ist in elf Provinzen erlaubt (beschränkt auf vier Pflanzen pro Haushalt).

Auch den Angehörigen der kanadischen Streitkräfte ist der Cannabiskonsum erlaubt, muss jedoch 8 Stunden vor Dienstbeginn beendet werden. Für Militärängehörige, die Fahrzeuge führen oder Waffen tragen, sind es 24 Stunden.

Seit dem 17. Oktober 2019 ist auch der Verkauf von cannabishaltigen Lebensmitteln erlaubt.


Aber jetzt zu einem ganz anderen Thema, da für jemand der noch nicht mit dem Reisemobil in Kanada unterwegs war sicherlich genau so erstaunlich ist, wie für uns war: campgrounds.

Wir standen in Kanada selten auf einem campground, aber da ein paar mal die Frage danach an uns gestellt wurde, möchte ich gerne unsere Beobachtungen teilen.

Wie überall gibt es auch in Kanada Camping- und Stellplätze in vielen verschiedenen Ausführungen.

Privat betriebe Campingplätze mit “Vollausstattung” an Hotspots haben preislich nach oben so gut wie keine Grenze.

Vollausstattung heißt Full Hookup, d.h. Mit dem Wohnmonster ohne rangieren vorwärts auf und vom Platz, Strom, Wasser, Abwässer am Platz und viel “privacy”, d.h. großen Abstand zum Nachbarn.

Eine Tisch- und Sitzgruppe gehört zur Standardausstattung. Für den pyromanen Kanadier gehört eine Feuerstelle und Campwood dazu.

Wenn der campground dann noch Angellizenzen und lebende Köder anbietet, dann ist das Glück perfekt. Für das mitgebrachte Boot zum Angeln steht natürlich eine Bootsramp zur Verfügung.

Das ist die Maximalausstattung eine privat betriebenen campground, die ihren Preis hat und auch immer gut ausgebucht ist.

Wenn wir einen campground in Kanada aufgesucht haben, dann waren das meist von öffentlicher Hand betriebene State- oder Provincialpark Campgrounds.

Dort sind die Preise festgelegt und haben zwischen 12 und 22 kanadische Dollar (9,20-16,90€) pro Nacht betragen. Auch hier ist der Platz für das Reisemobil oder den Wohnwagen oft großzügig. Es gibt selten eine Möglichkeit zur Entsorgung (dafür gibt es öffentliche Dumpstations). Einige der Plätze verfügen über Frischwasser und meist steht eine Sitzmöglichkeit und ganz wichtig, ein Platz zum Feuer machen zur Verfügung. Das letztere ist aber abhängig von der Warnstufe und wir haben oft einen “Fireban” wegen der Trockenheit erlebt.

Trockentoiletten und bärensichere Mülleimer gibt es fast überall. Bären sind ein Thema, deshalb gibt es auch manchmal, für die Zeltcamper bärensichere Schließfächer in denen diese ihre Lebensmittel unterbringen können.

Für uns sehr ungewohnt war die Festlegung von Generatorzeiten. Diese Stromerzeuger sind für den offensichtlich hohen Strombedarf oder die schlechte Akku-Ausstattung für Kanadier wichtig. Solarpanels haben wir auf den Fahrzeugen nur selten gesehen.

Die Möglichkeit zur Reservierung auf diesen Plätzen besteht nicht und es herrscht die Regel “first come, first serve”. Man registriert sich selbst, d.h. Man füllt einen Umschlag mit einer Nummer aus, fügt cash den verlangten Betrag dazu und befestigt einen “Permit” mit derselben Nummer, die auf dem Umschlag ist an der Nummer des Platzes den man belegt hat.

Das ist eine clevere Lösung, denn so kann man mehrer Tage an einem Platz stehen und diesen zwischendurch verlassen. Die “Reservierung” wird von jedem respektiert.

Für diejenigen, die auf solchen Plätzen nicht übernachten, sondern nur Angeln, Picknicken oder Wandern wollen gibt es eine Dayuse Zone, damit keine Übernachtungsplätze von den Tagesgästen blockiert werden.

Die Kanadier sind ein Outdoor Volk und haben sich einiges einfallen lassen, wovon man sich das eine oder andere anschauen könnte.


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2 Kommentare

  1. Es fehlt die Beschreibung der Recreation Sites in BC. Die gibt es zu hauf dort. Das sind kostenlose Campingplätze ohne Services, meist in aussergewöhnlich schöner Lage. Dafür manchmal mit schwieriger Zufahrt. Tisch Bank Kombi und Feuerstelle und Trockentoilette gibts da aber auch sehr oft. Leider müssen die meisten Provincial Parks in BC schon etliche Monate im voraus reserviert werden, FCFS ist leider nicht mehr so verbreitet. In den USA ist es mit dem Reservierungswahn noch schlimmer, da muss man bis zu einem Jahr im voraus buchen oder eine der wenigen FCFS Sites ergattern.

  2. Danke Almut für Deinen Kommentar. Kostenlose Recreation Sites sind uns offensichtlich entgangen und eine Reservierungmöglichkeit für Provincial Parks haben wir nicht gefunden. Aber das war kein Problem, denn trotz Highseason hatten wir immer ein Übernachtungsplätzchen.

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