Tag 267: Mississippi

Nachdem Herr Geheimrat frisch gepampert und der Gasvorrat aufgefüllt war, ging es erst ein Stück durch das Mississippi Delta zurück nach Westen. Dann die Interstate 51 nach Norden, denn wir wollen einen “kleinen” Bogen weg vom Golf von Mexiko ins Landesinnere schlagen.

Den ersten Teil der Etappe war der Highway auf kurzen Betonstützen wie eine niedere Brücke über den Sumpf und das Wasser gebaut. Darüber zu fahren war schon ein merkwürdiges Gefühl.

Später hatten wir dann wieder festen Boden unter den Rädern und haben nach kurzer Zeit die Grenze zu unserem 16. Bundesstaat, nämlich Mississippi überschritten.


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Da ich mich seit Jahrzehnten mit dem Thema Barbecue beschäftige, fällt mir bei dem Wort “Mississippi” ein Tipp für alle, die gerne Mit Holzkohle arbeiten ein: die Holzkohle sollte stets durchgeglüht, also von einer weißen Ascheschicht überzogen sein. Sie hat dann die nötige Temperatur von rund 250 Grad, um jene chemische Reaktion auszulösen, die das Grillgut bräunen lässt und für das einmalige Grillaroma sorgt. Wer kein Thermometer zur Hand hat, kann die Hand zum Hitzetest nehmen. Die flache Hand auf Höhe des Rostes halten und zählen ‘1 Mississippi, 2 Mississippi, 3 Mississippi …’ Wenn man ab ‘4 Mississippi’ die Hand reflexartig zurückzieht, liegen etwa 200 Grad vor. Und so heiß muss es sein, damit die Maillard-Reaktion startet, benannt nach dem französischen Chemiker Louis Maillard. Wenn die Zuckermoleküle und Eiweiße im Fleisch miteinander reagieren, entstehen braune Farbpigmente und Aromastoffe – eben die leckere Kruste beim Braten und das typische Aroma von gegrilltem Fleisch. Ist die Temperatur zu niedrig, klebt das Fleisch am Rost, ist sie zu hoch, verbrennt unter Umständen der Zucker und das Aroma wird bitter.

Vor der Ausfahrt nach Gillsburg ist uns ein Hinweisschild zum “Lynyrd Skynyrd Monument” aufgefallen.

Da war doch etwas?

Am 17. Oktober 1977 veröffentlichte Lynyrd Skynyrd ihr sechstes Album Street Survivors. Drei Tage später stürzte das Charterflugzeug ab, mit dem die Band auf dem Weg von Greenville nach Baton Rouge (Louisiana) war. Die Maschine stürzte in ein Waldgebiet in Amite County in der Nähe von Gillsburg (Mississippi), nur wenige hundert Meter vom Flugplatz in McComb (Mississippi) entfernt. Die Piloten hatten gehofft, dort noch landen zu können. Beim Absturz kamen Ronnie Van Zant, Steve Gaines, seine Schwester Cassie Gaines und der Bandmanager Dean Kilpatrick ums Leben. Die anderen Bandmitglieder überlebten schwer verletzt. Das Unglück wurde auf einen zu geringen Treibstoffvorrat zurückgeführt.

Wir haben das Monument nicht besichtigt, aber meinen Lieblingstitel dieser Band möchte ich Euch nicht vorenthalten.

Da wir frühzeitig an unserem heutigen Übernachtungsort Brookhaven angekommen sind, konnten wir sogar noch einen kleinen Wäschestopp einlegen, bevor wir unseren Cracker-Barrel-Übernachtungsplatz bezogen haben.

Über Brookhaven gibt es eigentlich nur eine traurige Begebenheit, die sich in unserem Geburtsjahr ereignet zu berichten: Am 13. August 1955 wurde der schwarze Bürgerrechtler Lamar Smith am helllichten Tage und auf offener Straße nahe dem Gerichtsgebäude erschossen. Zeitgenössische Zeitungen berichteten von dutzenden weißer Zeugen, von denen niemand eine Aussage machte. Im Gerichtsprozess gegen drei weiße Verdächtige sprach eine Jury, die nur aus weißen Männern bestand, alle Angeklagten frei.


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