Tag 300: Stromlos

Am 300. Tag unserer Nordamerika Reise hat uns tatsächlich ein echtes Problem erwischt: Herr Geheimrat ließ sich nur mit großer Mühe starten.

Bisher sind während der 10 Monate und 39.000 Kilometer nur Wartungsarbeiten, wie Öl- und Filterwechsel und zwei, den Strassenverhältnissen geschuldete Vorderreifen.

In einem Telefonat mit unserem guten Freund und Autoexperten Claus konnte dieser per “Ferndiagnose” den Fehler auf eine altersschwache Starterbatterie eingrenzen.

So haben wir uns auf die Suche nach einer Werkstatt in der Nähe gemacht. Tatsächlich gab es 30 Minuten Entfernung eine der seltenen Fiat und Alfa Romeo Werkstätten.

Mutig sind wir dort vorgefahren und haben unser Problem geschildert.

Der freundliche Serviceleiter hat uns eine Platz zugewiesen und uns Hilfe versprochen, aber Herr Geheimrat hat bei dem Startversuch keinen Mucks gemacht.

So war es erforderlich, dass uns die Fiat Mitarbeiter Starthilfe geben und wir konnten auf den zugewiesenen Platz wechseln.

Es war uns schon vor unserer Reise klar, dass es in Nordamerika für unseren Fiat Ducato fast keinen Support gibt und deshalb hatten wir ziemlich viel vorgesorgt. Eine Ersatzbatterie hatten wir allerdings nicht dabei. Die Fiathändler und Werkstätten kümmern sich ausschließlich um den in den USA wohl beliebten Fiat 500, für den “Rest” fühlen sie sich nicht zuständig.

So wurde uns geraten, doch zu der 10 Kilometer entfernten Filiale der Camping World zu fahren. Die hätten bestimmt passende Batterien, denn schließlich ist Herr Geheimrat ja ein Wohnmobil.

Wir haben bis auf weiteres den Motor nicht mehr abgestellt, was in Amerika nicht weiter auffällt, da dass dort so üblich ist.

In der hochgelobten Camping World stellte sich schnell heraus, dass es dort noch nie für unser Fahrzeug passende Batterien gegeben hat und man hat uns geraten, es in einem “Batterie Shop” zu versuchen.

Der war schnell gegoogelt und 30 Minuten später stand ich vor der verschlossenen Tür mit einem Schild, dass der Verkäufer nach seinem Toilettenbesuch wieder zu Verfügung stände.

Das Schaufenster mit zahlreichen Fahrzeugbatterien und einem kostenlosen Einbauservice hat meine Erfolgshoffnung steigen lassen.

Nach Rückkehr des freundlichen jungen Mannes ist die Hoffnungskurve gefallen, denn solche Batterien, wie ich sie benötige hätte er nicht. Aber nebenan im Autozubehör Geschäft gäbe es eine große Auswahl.

Dort traf ich auf einen hilfsbereiten und kompetenten Mitarbeiter. Die PC-Recherche ergab zwar auch nur Fiat 500 Batterien, aber er hat sich unsere Batterie angeschaut und wir fanden eine im Regal, die zu passen schien.

Diese wurde wegen des Gewichts auf einen Wagen geladen und um sicherzugehen, dass sie die gleichen Maße hat neben unsere gestellt. Die Leistungsdaten hatten wir schon vorher abgeglichen.

Alles klar, die wird für umgerechnet 214€ gekauft! Und der Einbau? Den muss ich selbst machen und bekomme sogar das gesamte dafür erforderliche Werkzeug.

Jetzt wurde mutig der Motor abgeschaltet und die bei 33° Celsius schweißtreibende Arbeit begann.

Nach dem Einbau der Test und… Stille!

Noch einmal alles überprüft und meine Messung ergab 11,3 Volt. Die neue Batterie war wohl, obwohl ich mich vorher genau danach erkundigt hatte, wohl doch nicht voll geladen.

Also das Wägelchen mit der alten Batterie und dem Werkzeug zurück in den Laden.

Jetzt gab es noch einmal Starthilfe und den Rat eine Zeitlang zu fahren.

Das hatten wir sowieso vor, denn wir wollten nach all dem Hin- und Her unser Tagesziel in Saint Augustin (204), der ältesten Stadt der USA erreichen.

Bei einem Tank- und Einkaufsstop an einem unserer geliebten Buc-EE’s haben wir dann mutig den Motor abgeschaltet.

Beim tanken konnte man sich nebenher über die Verdienstmöglichkeiten informieren, was wir immer interessant finden.

Nach dem wir uns mit den fantastischen Brisket-Brötchen und Marion sich mit ihrem Jerky versorgt hatten, gab es nach dem Drehen des Zündschlüssels lautes Freudengeschrei: Herr Geheimrat zündetet wie immer.

Es war schon Dunkel, als wir an unserem Übernachtungsplatz ankamen und außer einem Schlummertrunk stand nichts mehr auf dem Programm.

Ich möchte den Bericht aber nicht abschließen, ohne mich ganz herzlich bei Claus zu bedanken, ohne den die ganze Batteriegeschichte kein so gutes Ende gefunden hätte.


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