Was für Menschen sind die Esten ?

Um das beurteilen zu können, sind wir viel zu kurze Zeit in diesem schönen Land.

Aber dieser Text aus Eesti Instituut deckt sich mit unserer Beobachtung:

„1)Den Charakter der Esten haben sowohl die Geschichte des Landes als auch die Natur geprägt.Die langen dunklen Winter haben wohl die Introvertiertheit und die Wortkargheit hervorgerufen, aber auf der anderen Seite hat gerade diese harte Jahreszeit das Entstehen vieler Volkserzählungen und –lieder begünstigt.

2)Der durchschnittliche Handelnde eines estnischen Märchens wird eigentlich niemals König, auch kämpft er nicht, das blanke Schwert in der Hand, gegen Ungeheuer. Eher verlässt er sich auf seinen Verstand und seine Schlauheit, diskutiert mit dem Teufel über philosophische Probleme und versucht schließlich, ihm das Fell über die Ohren zu ziehen.

3)Die Esten sind höchstens in der dritten Generation Stadtmenschen, und fast jede Familie hat auf dem Lande Verwandte, so dass zu den Kindheitserinnerungen meist auch die Sommer auf dem Lande gehören.

4)Die im Winter verschlossenen und finsteren Esten ändern sich völlig, wenn es Sommer wird: sie laden Freunde zum Picknick, knüpfen neue Kontakte, und anstatt einen Menschen, der auf der Straße lärmt, finster anzuschauen, lachen und kichern sie selbst wie dieser.

5)Ein Fremder muss wissen, dass die Esten nach Möglichkeit jede Sentimentalität in zwischenmenschlichen Beziehungen vermeiden. Vieles von dem, was Einwohner anderer Länder sofort preisgeben, wird man von Esten nur dann erfahren, wenn man sie sehr gut kennt.

6)Die Esten sind angeblich starrköpfig und ehren niemanden nur wegen seiner gesellschaftlichen Stellung. Über jede Obrigkeit können und müssen sie sich lustig machen, und die Scherze der Esten sind in erster Linie (selbst)ironisch. Die Esten können es nicht leiden, wenn jemand kommt und sie belehren will; auf der anderen Seite sind sie tief davon überzeugt, dass ihr eigener Ratschlag überaus wertvoll ist. Die skeptische Natur der Esten, die sie selbst als „gesunden Bauernverstand“ bezeichnen, zeigt sich manchmal in gediegenster Haarspalterei.

7)Nachbarvölker haben nicht ganz unrecht, wenn sie sich über die Esten lustig machen und behaupten: „Wo vier Esten zusammen sind, da gibt es fünf Parteien“. Über die Arbeitsmoral der Esten aber meinen die Nachbarn, dass sie auch die größten Dummheiten mit preußischer Akkuratesse machten. Der Ausspruch Hemingways, dass man in jeder Hafenstadt der Welt mindestens einen Esten treffen könne, gibt eine kleine Vorstellung vom Unternehmungsgeist der Esten.“

(aus: Eesti Instituut)

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