Reisepause Tag 58 – Musikprogramm – Charles Aznavour

Ooos… der erste Franzose im Reisepausen-Musikprogramm und dann auch noch ein Chansonnier?

Ja, mein Musikgeschmack ist breit und die wenigen Musikstile, die ich nicht so gerne höre werde ich nicht nennen, aber sie werden auch nicht im Reisepausen-Musikprogramm auftauschen.

Charles Aznavour war ein armenisch-französischer Chansonnier, Liedtexter, Komponist und Filmschauspieler. Daneben war er armenischer Botschafter in der Schweiz und ständiger Vertreter Armeniens bei den Vereinten Nationen in Genf. Der Sänger hat fast 200 Millionen Platten weltweit verkauft.

Er hat eine fantastische Stimme und die Ausstrahlung eines Frank Sinatra.

Das Chanson, das ich in der deutschen Version ausgesucht habe, weil mein Französisch meist nicht ausreicht, die Texte zu verstehen hat für mich eine besondere Bedeutung, weil mein Lieblingskoch Bernd dieses Stück ganz hervorragend auf der Gitarre spielt und das Stück fast so gut wie Aznavour singt.

In dem Chanson hat der männliche Protagonist sich bereits ordentlich Mut angetrunken, um seiner nicht beim Namen genannten, sondern durchgehend per Du angesprochenen Frau endlich einmal zu sagen, dass er inzwischen die Nase von ihr voll hat („Tout l’alcool que j’ai pris ce soir afin d’y puiser le courage de t’avouer que j’en ai marre de toi“). Dann zählt er ausgiebig auf, wie sie sich in seiner Wahrnehmung verändert hat und was ihn alles an ihr stört, beginnend mit der Feststellung, sie säße einfach so da und warte darauf, dass er etwas sagt oder tut, wobei sie ein Gesicht ziehe („t’es là, t’attends, tu fais la tête“). Ihr Körper reize ihn nicht mehr, sie sauge ihn aus und tyrannisiere ihn mit ihrem üblen Charakter; er traue sich kaum, ihr mal zu sagen, wie sehr sie mit all dem übertriebe („Tu m’exaspères, tu me tyrannises, je subis ton sale caractère sans oser dire que t’exagères“), so dass er sie manchmal am liebsten erwürgen würde. Er beendet diesen ersten Teil seiner Abrechnung mit dem resignativen Stoßseufzer „Gott, wie hast du dich in den fünf Jahren verändert! Du lässt dich einfach nur noch gehen“.

Darauf folgt eine zweite Kaskade von Vorwürfen. Sie brauche sich ja nur einmal selbst anzusehen, ihre heruntergerutschten Strümpfe, ihren alten, nur halb geschlossenen Morgenrock und die Lockenwickler. Sie erinnere ihn inzwischen an ihre Mutter und habe nichts mehr, was seine Zuneigung anregen könne, so dass er sich frage, wie sie ihm eigentlich je habe gefallen können. Vor seinen Freunden stelle sie ihn bloß, widerspreche ihm, schnauze ihn an, verspritze ihr Gift und sei zänkisch („tu me contredis, tu m’apostrophes avec ton venin et ta hargne“). Überhaupt habe sie sich in eine tyrannische Bestie ohne Herz und Seele verwandelt („Tu es une brute et un tyran, tu n’as pas de cœur et pas d’âme“).

Im dritten und letzten Teil seines Monologs dreht sich seine Stimmung um nahezu 180 Grad. Jetzt äußert er, was sie tun solle, damit sie wieder zu dem jungen Mädchen werde, das ihn einst so glücklich gemacht habe, denn trotz allem sei sie schließlich seine Frau („Que malgré tout tu es ma femme“). Sie solle Sport treiben, um abzunehmen, sich vor dem Spiegel hübsch machen, öfter wieder mal ein Lächeln aufsetzen und „Herz und Körper schminken“ („Accroche un sourire à ta face, maquille ton cœur et ton corps“). Dann würde er sich wie zu Beginn ihrer Beziehung sogar freuen, wenn sie sich gelegentlich gehen ließe – auch wenn das eigentlich ganz und gar seiner Einstellung widerspreche. Denn in Wirklichkeit täusche sie sich, wenn sie denke, dass er sie ablehne („Au lieu de penser que j’te déteste“).



Charles Aznavour gehört zu den herausragenden Persönlichkeiten des französischen Chansons. Der Durchbruch gelang ihm 1946, als Édith Piaf auf ihn aufmerksam wurde und ihn auf eine Tournee durch Frankreich und die Vereinigten Staaten mitnahm. Aznavour hat über tausend Chansons geschrieben und sie in fünf Sprachen interpretiert (darunter auch Deutsch, in der Übertragung von Ernst Bader, Walter Brandin, Michael Kunze und Jacky Dreksler).

Die Texte seiner Lieder behandeln oft die Liebe. Einige seiner bekanntesten Chansons sind La Bohème, La Mamma, Hier encore, Que c’est triste Venise, She, Mourir d’aimer, Paris au mois d’août, Je m’voyais déjà, Les Comédiens, Tu t’laisses aller (deutsch: Du lässt dich gehn), Emmenez-moi, Comme ils disent, Pour faire une jam.


Alle Titel des Reisepausen-Musikprogramms gibt es auch als Spotify-Playlist.

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