Tag 51: Sintflut

Eigentlich hatten wir uns auf eine schöne Fahrt zurück ins Perigord gefreut. Zunächst sollte es auf den Stellplatz an der Dordogne gehen, auf dem wir bereits für ein paar Tage gestanden haben.

Die Köchin hat für die erste Etappe das Steuer übernommen und schon da hat es zwischendurch immer wieder geregnet.

Kurz nach dem Start sind wir an einer schönen kleinen Stierkampfarena vorbeigekommen.

Für mich ist die einzige akzeptable Form der Course Camarguaise, bei dem die Kämpfer mit Schnelligkeit und Geschick versuchen, dem Stier ein Band zwischen den Hörnern zu entreißen, ist die unblutige Variante des Stierkampfes.

Am Tag der Feria sind die Menschn überall auf den Beinen: Einige der Stiere werden als Teil der Feria mit roten und weissen Bändern geschmückt und von jungen Männern zum Ort des Kampfes in die Arena getrieben.

Ihnen folgt ein festlicher Umzug (Defilee) in der Arena, an dem zahlreiche Festwagen und Menschen in traditionellen Kostümen, sowie Musikgruppen Tänzer, Reiter teilnehmen.

Dann folgen die Kämpfer: Rasetuer oder Tourneur genannte mutige (und nicht nur ganz junge) Manner, weiss gekleidet mit rotem Halstuch nehmen entlang der runden Arena Aufstellung.

Nun kommen die eigentlichen Hauptdarsteller, die Stiere (Taureau), deren prachtvolle, schwarze und wilde Erscheinung laute Rufe der Begeisterung und auch des Respekts in der Arena auslösen. Der Stier wird hier auch Concardier genannt, denn er ist es der die heiss begehrte Siegestrophäe, die Kokarde, zwischen seinen spitzen Hörnern trägt.

Ein Spielabschnitt des Stierkampfes, ein “raset” spielt sich in vier Etappen ab und ist natürlich beendet, sobald der Sieger die Kokarde stolz in die Luft hält und sich seinen verdienten Applaus holt:

Der „Dreher“ (Tourneur), meist ein früherer „Rasateuer“, zieht die Aufmerksamkeit des Stieres auf sich und versucht ihn abzulenken.

Der oder die „raseteur“ springt vom Rand der Arena, rennt seitlich auf den Stier zu, der ihn durch die Ablenkung erst später bemerkt hat.

Wenn alles gut geht und der „Concardier“ dem „Raseteur“ nun folgen will, überschneiden sich die Laufwege der beiden und der junge Mann versucht mit einem blitzschnellen Griff von oben zwischen die Hörner des Stieres zu gelangen sowie die dort befestigte Kokarde abzureissen.

Egal ob dies gelingt oder nicht, nach diesem kurzen Augenblick heisst es schnell die Umzäunung der Arene zu erreichen und sich schnell hinaufzuziehen, denn nun folgt der Stier und reisst dabei den Kopf hoch. In seiner blinden Verfolgung kann der Stier dabei durchaus noch den Hintern oder andere Körperteile des Raseteurs erwischen. Bis auf kleinere Risswunden oder einige blaue Flecke jedoch entstehen auch den Kämpfern keine Verwundungen.

Die Kämpfer, vor allem aber auch die Stiere, geniessen höchste Wertschätzung. So wundert es nicht dass berühmte Tiere nach ihrem friedlichen Leben und vielen Ferias in Südfrankreich ein besonders schönes Grab bekommen.

Nach dem Fahrerwechsel wurde aus den Regenschauern eine regelrechte Sintflut. Die Scheibenwischer hatten Schwerstarbeit zu leisten und das Wasser stand
zentimeterhoch auf der Straße.

Erst eine halbe Stunde vor dem Ziel hatte Petrus ein Einsehen und wir konnten, dank Reservierung den letzten Platz einigermaßen gut beziehen.

Aber das Regenwetter hatte sich an unsere Fersen geheftet und ein Gewitter hat uns ins Mobil gezwungen.

Spätestens übermorgen soll sich das Wetter bessern… schau’n mer mal!

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