Tag 64: “vulgären Streich eines Schmierers”

Die prähistorischen Höhlen lassen uns seit unserer Zeit im Perigord nicht mehr los.

Auch in der Nähe unseres Übernachtungsplatzes gibt es eine interessante Fundstelle, die allerdings erst im zweiten Anlauf ihre verdiente Anerkennung gefunden hat. Aber davon später mehr.

Die Höhle von Altamira in der Nähe der Stadt Santillana del Mar ist bekannt für ihre steinzeitliche Höhlenmalerei.

Sie wölbt sich über einer Fläche von mehr als 5500 m² und wurde von 33.600 v. Chr. bis zum Einsturz des Einganges 11.000 v. Chr. genutzt.

Die Höhle wurde 1868 aufgrund des Verschwindens eines Jagdhundes von einem Jäger entdeckt, der die Entdeckung sofort dem Grundherrn von Santillana, dem Naturwissenschaftler Don Marcelino Sanz de Sautuola meldete.

Die Malereien wurden dann von Sautuolas fünfjähriger Tochter Maria entdeckt, die die Höhle aufrecht begehen konnte und dabei an der Decke Abbilder von „Rindern“ ausmachte.

Marcelino begann 1879 systematisch in der Höhle zu graben und veröffentlichte eine kurze Beschreibung der „prähistorischen Objekte in der Provinz Santander“, aber die “gelehrte Fachwelt” bezweifelte die Echtheit der Höhlenmalereien.

Der französische Prähistoriker Émile Cartailhac bezeichnete die Malereien als „vulgären Streich eines Schmierers“, die er und seine Zeitgenossen nicht einmal ansehen wollten. Die Entdeckung musste fast 23 Jahre auf ihre Anerkennung warten.

Erst als im Jahre 1901 ähnliche Malereien in der Höhle von Font-de-Gaume bei Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil im Département Dordogne (Frankreich) bekannt wurden, änderte sich die Einstellung der französischen Forschung und Cartailhacs, der zum Sinnbild der archäologischen Ignoranz wurde.

Cartailhac entschuldigte sich 1902 in einem Aufsatz (Mea culpa d’un sceptique) posthum beim Marquis de Sautuola.

Die Höhle ist seit 1979 nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich, da durch die warme Atemluft der Besucher schwere Schäden entstanden und aufgrund der neu angebrachten Holzgeländer die Malereien zu schimmeln anfingen.

Im Jahre 1998 wurde daher das spanische Geographieinstitut damit beauftragt, den ca. 1500 m² großen Eingangsbereich originalgetreu nachzubilden.

Die Höhle wurde mit ca. 40.000 Vermessungspunkten pro Quadratmeter vermessen und mit Schaumstoffplatten und originalgetreu bemalten Matten nachgebildet.

Wir haben selten eine so gut gemachte Präsentation gesehen und davon können sich andere Museen eine große Scheibe abschneiden. Der Eintrittspreis von 3€ pro Person war jeden Cent wert.

Unser Tagesziel Luarca war in unseren Reiseführern hochgelobt. Unser Erkundungsspaziergang hat uns allerdings “nicht völlig begeistert”.

Begeistert haben uns allerdings wieder die spanischen Preise für einen kleinen Sundowner: wir haben am Hafen für ein Glas Weißwein und ein kleines Bier 3,10€ bezahlt.


Zum Abschluss gibt es noch ein schöne Geschichte:

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