Tag 74: Kultursprung

Wir haben in den letzten Tagen und Wochen einiges an Kultur getankt, sodass wir es uns leisten konnten Alcobaça zu überspringen und direkt an den Atlantik zu fahren.

In Alcobaça ist Inês de Castro begraben, die die Hauptrolle in einer des er wichtigsten Liebesgeschichten Portugals spielt.

Hier die Geschichte:

Wenn es eine Liebesgeschichte gibt, die die Geschichte Portugals geprägt hat, dann ist es die der verbotenen Liebe zwischen dem Infanten D. Pedro und Inês de Castro, einer Dienerin seiner Frau D. Constança Manuel.

Obwohl er verheiratet war, verabredete sich D. Pedro in den Gärten der Quinta das Lágrimas immer wieder zu romantischen Treffen mit Inês. Nach dem Tod von D. Constança im Jahr 1345 ehelichte D. Pedro seine Inês, was schließlich zum Bruch mit König D. Afonso IV., seinem Vater, führte, der die Verbindung vehement verurteilte und auch heftige Vorwürfe von Seiten des Hofes und des Volkes provozierte.

Jahrelang lebten Pedro und Inês mit ihren drei Kindern im Palast Paços de Santa Clara in Coimbra. Das Eheverhältnis wurde allerdings vom Hof stets bekämpft. Der ständige Druck auf D. Afonso IV führte schließlich dazu, dass er Inês de Castro im Januar 1355 ermorden ließ. Verrückt vor Schmerz führte Pedro eine Revolte gegen den König an. Er vergab seinem Vater nie den Mord an seiner Geliebten. Als er 1357 schließlich die Krone übernahm, ließ Pedro die Mörder von Inês verhaften, töten und ihnen das Herz herausreißen. Das brachte ihm den Beinamen „der Grausame“ ein.

Indem er schwor, Inês de Castro heimlich geheiratet zu haben, gelang es D. Pedro später, seine Gattin als Königin Portugals anerkennen zu lassen. Im April 1360 ordnete er die Überführung von Inês‘ Leichnam von Coimbra ins Kloster Mosteiro Real de Alcobaça an und ließ zwei prachtvolle Grabmäler erreichten, damit er später einmal an der Seite seiner Geliebten ruhen konnte. So kam es, dass die hinreißendste Liebesgeschichte Portugals in Stein verewigt wurde.

Aber, wie gesagt, haben wir die Besichtigung der Grabmäler der Liebenden ausgelassen und sind ganz profan an Meer gefahren.

In Foz do Arelho, wo die Lagune von Óbidos mit dem Meer verbunden ist, hat man die Wahl zwischen zwei völlig gegensätzlichen Arten von Strand. Auf der einen Seite liegt der wunderschöne See mit seinen dicht bewachsenen Ufern, dessen ruhiges Wasser gerade für Kinder ideal ist und sich wegen des fast ständig wehenden Windes bestens zum Windsurfen eignet. Der dem hier strömungsarmen Meer zugewandte Strand auf der anderen Seite ist ein Paradies für Wellenreiter.

Hier wollen wir bis Montag bleiben und haben trotz der zahlreichen portugiesischen Wochenendcamper noch einen Platz bekommen.

Nach einem Erkundungsgang und einem kleinen Snack haben wir uns faul in die Sonne gesetzt. Heute keine Wallfahrtskirche, es wird keine Burg erklommen oder durch eine historische Altstadt geschnauft. Das muss auch einmal sein und der Plan für morgen sieht so ähnlich aus.

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