Carthago im Dauerbetrieb: 173 Tage, 17.420 km, 14 Länder

Herr Geheimrat (Carthago c-line XL 5.8Q) ist jetzt etwas mehr als 2 Jahr alt und hat aktuell ca. 53.000km.

Wir haben 2019 von April bis September eine Tour durch Belgien, die Niederlande, Polen, das Baltikum, Russland bis Sankt Petersburg, durch Skandinavien bis zum Nordkap und zurück über die Lofoten, Schweden und Dänemark gemacht.


Waren die Straßenverhältnisse ein Problem für den Dreiachser mit Schaltautomatik?

Bei über 17.000km trifft man auf jede Art von Straßen: hervorragend ausgebaute Autobahnen, gut befahrbare Landstraßen, Straßen mit starken Frostschäden und tiefen Schlaglöchern, kilometerlange Schotterpisten die sich nur im Schritttempo befahren lassen und eine echte Herausforderung für Geschirrschränke und die Nerven der Besatzung einer rollenden Fünftonnenwohnung sind.

In Skandinavien waren Bergpässe aus Serpentinenstraßen und enge Tunnel mit 19 Prozent Steigung und Gefälle zu befahren.

Die Fähren, die wir in den Schären- und Insellandschaften benutzt haben, konnten wir am Ende nicht mehr zählen.

Unsere Reisemobil ist mit der Standardfederung und dem automatisierten Schaltgetriebe ausgestattet. Obwohl wir uns manchmal wie auf einer Teststrecke vorgekommen sind, hatten wir keinerlei Probleme unsere Ziele zu erreichen. Selbstverständlich ließen wir an kritischen Stellen, wie z.B. sandigen Waldwegen zum Stellplatz am Ostseestrand oder leicht verschlammten Steigungen die notwendige Vorsicht walten. Wenn ein Zufahrtsweg einen kritischen Eindruck gemacht hat, dann war eine Erkundung zu Fuß angesagt, bevor wir weitergerollt sind. Schließlich haben wir kein Allradfahrzeug, sondern ein frontangetriebenes Reisemobil.

Trotzdem konnten wir ohne große Schwierigkeiten herrliche Plätze abseits üblicher Wege anfahren.

 

 

 

 

 

 


173 Übernachtungen

In Bezug auf die Lebenshaltungskosten macht es natürlich einen Unterschied, ob man drei Wochen Urlaub macht oder sechs Monate auf Reisen geht.

Unser Reisemobil hat 170 Liter Frischwasser, 2 x 11kg Gasvorrat, 180 Amperestunden Aufbaubatteriekapazität und 400 Watt Solar, wir haben eine Standard Thetford Toilette (und eine Reservekassette) und eine Alde-Heizung.

Mit dieser Ausstattung und unserer Art zu reisen sind wir nicht auf die Vollausstattung von Campingplätzen angewiesen, deren Leistungen wir weder möchten noch benötigen.

Es gab allerdings Situationen, in denen ein Aufenthalt auf einem Campingplatz angesagt war:

1. Es war kein legitimer Übernachtungsplatz zu finden. Dies war ab und zu in Städten (Riga, Tallinn, Stockholm, Sankt Petersburg, Tromsø) bzw Ländern (Niederlande, Polen) der Fall.

2. Eine Ver-/Entsorgung war fällig und weit und breit keine Station zu finden.

3. Alle paar Wochen waren Waschmaschine und Wäschetrockner angesagt und kein Waschsalon in Sicht.

Wir haben auf dieser Reise in ca. 90% der Tage an erlaubten Stellen sowie Stellplätzen übernachtet. Die übrigen Tage mussten wir aus den genannten Gründen auf Campingplätze verbringen.


173 Mahlzeiten

Besonders hier macht es einen Unterschied, ob man drei Wochen Urlaub macht oder sechs Monate auf Reisen geht. Jeden der 173 Tage ein Restaurant aufzusuchen hätte unsere Reisekasse überstrapaziert.

Selbstverständlich gehört zum Reisen auch, die regionalen Spezialitäten kennenzulernen. Das haben wir auch dieses Mal wie auf all unseren bisherigen Reisen so gehandhabt.

Für uns begeisterte Hobbyköche ist gutes Essen ein Stück Lebensqualität und das Schöne an einer langen Reise ist, daß man Zeit zum Einkaufen in der Region und zum Kochen hat.

Unsere kleine feine Reisemobil – Küche ist dabei kaum eine Einschränkung, sondern eher eine Herausforderung an Kreativität und Improvisation. Das macht Spaß, hält den Denkapparat fit und schmeckt dazu auch noch.

Wir haben auf unserem Blog oft die Diskussion, daß der Aufwand die Küche und das Geschirr zu reinigen „groß“ wäre. Das Reisemobil würde nach der Zubereitung von z.B. Fisch stark riechen und deshalb könne man im Mobil nicht kochen. Wir kochen und braten alles in unserem Fahrzeug und da wir einige Regeln beachten wird uns von vielen Seiten bestätigt, daß es weder nach Küche oder Essen riecht, noch der Kochbereich verschmutzt ist.

Wir lieben es draußen zu kochen/grillen und im Freien zu essen, aber nördlich des Polarkreises ist das manches Mal nur etwas für Hardcore Reisende.


Was ging kaputt?

Wie bereits beschrieben, war die Reise keine Schmusetour für den Carthago und wir waren sehr gespannt, wie unser Herr Geheimrat die Anforderungen meistern würde.

Um es vorwegzunehmen: trotz aller Unkenrufe bezüglich Verarbeitungsqualität hatten wir nur ein Thema, welches uns in unserem Reisefortkommen eingeschränkt hat und das hatte mit FIAT und nichts mit Carthago zu tun.

Hier die Liste der der „Problemchen“:

  • Tag 5: Carglass
    Ein Steinschlag in die große Frontscheibe kann immer passieren, aber auch in Holland war das bei carglass kein Problem und wir haben die Einschlagstelle nach der Reparatur nicht mehr gefunden.
  • Tag 9: Der Wasserhahn tropft
    Weil wir auch im Winter unterwegs sind und versäumt haben, den Anschluss der Aussendusche zu entleeren hat es hier einen Frostschaden am Wasserhahn im Bad gegeben, da die Aussendusche an dieser Leitung hängt. Ein Carthagohändler in Holland hat uns umgehend geholfen.
  • Trittstufe
    zum zweiten Mal ist uns das Missgeschick passiert, daß wir offensichtlich die elektrische Trittstufe betreten haben, bevor sie ganz ausgefahren war. Das führt zu einem Schaden, den wir in Ermangelung des Ersatzteils in den Reiseländern nicht fixen konnten. Trittstufe mit einem kleinen Zurrband fixieren, damit das Alarmsignal beim Einschalten der Zündung verstummt, kleinen Tritt kaufen und Asche auf’s Haupt streuen. Wir haben jetzt das Ersatzteil an Bord und geloben Besserung.

Hier das echte Problem:

  • Fiat Fehler P2146
    Dieser Fehler hat uns „eiskalt“ im Niemandsland im hohen Norden in Norwegen erwischt. Der Motor hat dann in den Schonbetrieb geschaltet und bis max. 1500 Umdrehungen gearbeitet. Zwei Werkstätten haben sich an der Fehlerbehebung mit mässigem Erfolg versucht, bevor die 3.Werkstatt in Uppsala (Schweden) das Teil ausgetauscht und den Fehler behoben hat. Danach ist der Fehler, der nichts mit Carthago zu tun hat nicht mehr aufgetreten.

Wie war das mit der Sicherheit?

Wenn wir erzählt haben, daß wir z.B. durch Polen, Litauen, Lettland, Estland oder Russland (Sankt Peterburg) fahren, kam regelmäßig die Frage auf, ob „es da sicher sei“ und welche „Alarmanlage“ oder „Einbruch- oder Diebstahlsicherungen“ wir hätten.

Vorausschicken möchten wir, daß wir beide nicht ängstlich sind und schon viele Teile der Welt ohne Schwierigkeiten bereist haben, die als wesentlich „gefährlicher“ angesehen werden.

 

 

Unser Carthago hat die Serienausstattung und damit sind wir sechs Monate ohne Zwischenfall unterwegs gewesen.

Weder Geld noch Wertsachen verbleiben im Auto während unserer Abwesenheit und über Manipulationen werden wir informiert.

 

 

 


173 Tage auf kleinem Raum zusammen

 

 

Wir können für uns sagen, daß das tägliche Leben auf eingeschränkter Wohnfläche in unserem schönen Carthago – Reisemobil (Neudeutsch „downsizing“) einen Riesenspaß gemacht hat und das Zusammenleben ein Gewinn ist.

 

 


Fazit

Das Experiment „Carthago im Dauerbetrieb“ war für uns erfolgreich und hat uns bestätigt, daß wir das richtige Fahrzeug für die Art zu reisen, die wir präferieren, gewählt haben.
Wir fühlen uns nach den sechs Monaten in unseren Plänen bestärkt, dieses „Vagabundenleben“ fortzusetzen und uns nach noch ferneren Zielen aufzumachen.

Hartmut und Marion

Herr Geheimrat auf Reisen

www.reise-guckloch.de

geheimrat@reise-guckloch.de

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